Podcast: modus I extrem – Die siebte Folge ist online

 

Das Jahr 2019 war eines, in dem eine neue Form des Terrorismus ins Bewusstsein der Öffentlichkeit drang: Als am 15. März ein rechtsextremer im neuseeländischen Christchurch 51 Menschen in zwei Moscheen erschießt, ist die Welt geschockt. Von der Gewalt, vom Ausmaß und von der Kaltblütigkeit, mit der der Täter vorging und wie selbstverständlich er die Bilder des Terrors live ins Internet streamte.

 

Und diese Bilder fanden ihr Publikum: In Foren wie 4chan und 8chan wird der Täter noch heute, über ein Jahr später, gefeiert. Und mit ihm seine Nachahmer, die in El Paso, Poway, Baerum und Halle Menschen aus rassistischen Motiven ermordeten und dem Täter von Christchurch gleich Ruhm in bestimmten Nischen des Internets erlangen wollten.

 

Die Rolle des Internets, insbesondere sozialer Netzwerke, liegt auf der Hand: Sie machen Hass sichtbarer, erleichtern die Vernetzung radikaler Akteur*innen und schaffen die Möglichkeit, eine auf das Publikum ausgerichtete Form des Terrorismus zu begründen. Doch wer trägt eigentlich die Verantwortung, diesen Entwicklungen zu begegnen? Sind es die Gamer*innen, in deren Mitte oft Gewalt oft belächelt und Rassismus geduldet wird? Oder sind es die Plattformen, auf denen hasserfüllte Kommentare oft zu lange stehen bleiben?

 

In einer besonderen Episode von modus | extrem hat sich Gastgeberin Julia Strasser zusammen mit Journalisten Sören Musyal vier Gäste eingeladen, mit denen sie auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen geht.

 

Ob etwa Facebook durch die vielen Hasskommentare die Demokratie bedrohe, wollten die beiden von Johannes Baldauf, Public Policy Manager bei Facebook, wissen. Dieser hob hervor, dass das bloße Löschen solcher Kommentare nichts brächte. „Solche Menschen hören dann ja nicht auf, so zu denken.“

 

Das sah Maik Fielitz (war bereits Gast in Folge 3) ähnlich. Der wissenschaftliche Referent für rechte Radikalisierung in sozialen Netzwerken beim Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft verwies darauf, dass auch Verbote allein nicht ausreichen würden. Trotzdem sei die Regulierung von Plattformen das Thema der nächsten Jahre. Hier müssten Politik, Zivilgesellschaft und Plattformen dringend zueinander finden.

 

Die Gamerin und Streamerin Carolina Beraldo kritisiert vor allem den Generalverdacht gegen Gamer*innen, insbesondere nach dem Anschlag auf eine Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019. „50 Prozent der Deutschen spielen Computerspiele“, so Beraldo. Trotzdem sei die Gamingszene anfällig für Toxizität. Gerade da, wo es viel um Wettkampf gehe, komme es häufiger zu schädlichen Inhalten.

 

Für Flemming Ipsen (bereits Gast in Folge 4 und Folge 5), Rechtsextremismusexperte bei jugendschutz.net, wenig überraschend: Für ihn ist die Gamingszene nur ein weiteres Beispiele dafür, wie Rechtsextreme versuchen, Kulturen für sich zu vereinnahmen. Gerade deshalb sei es wichtig, die Codes der Szene zu verstehen und zu erkennen. Möglich sei dies nur mit einer guten Vernetzung zwischen Forschung, Politik und Plattformen. „Es geht um medienpädagogische Kompetenz“, so Ipsen.

 

Die einstündige Diskussion ist jetzt als Podcast abrufbar. Natürlich auch bei Deezer und Spotify.

 

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